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Raubkopiererbande: bekannter Münchener Abmahn-Rechtsanwalt im Knast (16.09.2004)

Raubkopien für 135 Euro pauschal im Monat wurden durch eine organisierte Bande kommerzieller Raubkopierer vertrieben.

Mit dabei ein hinreichend bekannter Rechtsanwalt der Dialerszene aus München. Die Kanzlei kennt fast jeder Abgemahnte, Abmahnungen gehören zur Spezialität dieser Kanzlei. Der Rechtsanwalt Bernhard S., machte gerne auf Saubermann und mahnte sogar Verbraucherschutzforen ab um Dialerkritiker mundtot zu machen.

Pikant, dass ausgerechnet eine von S. betriebene Dialer-Firma mehrfach auf der schwarzen Liste der Regulierungsbehörde aufgetaucht war - der Liste derjenigen Anbieter, denen wegen Rechtsverstößen nachträglich die Erlaubnis zum Betrieb des Dialers entzogen wurde.

Die Dialerlobby war gerne Kunde bei dieser Kanzlei. Jetzt sitzt der saubere “Rechtsanwalt” in Untersuchungshaft.Bestimmt werden wir in den nächsten Tagen aus der Richtung interessierter Clientel Berichte über Willkür, Rechtsbeugung, Verfolgung Unschuldigter oder ähnlichen Müll hören. Auch wenn für Herrn S. die Unschuldsvermutung gilt: etwas Schadensfreude sei bitte erlaubt wenn ein solch dubioser “Anwalt” aus dem Verkehr gezogen wird. Das ist gut für den Rechtsstaat und besonders gut für die abgezockten Dialeropfer.

Insgesamt ist gegen vier Beschuldigte Haftbefehl erlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft im thüringischen Mühlhausen mit.

Die vier Personen sollen seit Juni vergangenen Jahres über eine Internetseite den illegalen Download von Kinofilmen, Software und Audiotiteln angeboten und damit, laut GVU, einen Schaden im zweistelligen Millionenbereich verursacht haben. Nach Angaben der Polizei vertrieben sie die Raubkopien an über 45.000 Abnehmer und erzielten damit Einkünfte von rund 1 Million Euro.

Als Zahlungsmittel wurden benutzt: Kreditkarten, Banküberweisungen und kostenpflichtige Anrufe bei einer 0190er-Telefonnummer. Die unterschiedlichen Pauschalpreise galten jeweils für bestimmte Datenmengen. Für rund 15 Euro gab es zwei bis drei Filme. Die Namen der 45 000 Kunden könnte die Polizei anhand der im Computersystem gespeicherten Daten der Zahlungen herausfinden. Wahrscheinlich müssen aber nur die Nutzer mit intensiver Nutzung mit Strafverfolgung rechnen.

Die mutmaßlichen Haupttäter, der 20-jährige Daniel R. sowie sein 30-jähriger Bruder Thomas R., gelten als Kopf der Bande, sind aber selbst kaum als Inhaber in Erscheinung getreten. Ihre Briefkastenfirma auf der Insel Tortola (British Virgin Islands), die "Internet Payment Systems Ltd.", habe für die Verschleierung der Gelder gesorgt.

Rechtsanwalt S. betrauten die Hintermänner nach Angaben der Ermittler mit der Verwaltung der Finanzen ihrer Briefkastenfirma. S. führte sogar ein Anderkonto für die Bande, auf dem beispielsweise Ausgaben und Einnahmen aus dem Betrieb des Service eingingen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte S. "in voller Kenntnis des illegalen Vertriebs der Daten".

Gegen die Täter werde auch wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

Rechtsanwalt Bernhard S., wird vorgeworfen an Geldwäsche und der Gründung einer kriminellen Vereinigung beteiligt gewesen zu sein. Außerdem soll er massiv an Verstößen gegen das Urheberrecht mitgewirkt haben. Er habe in voller Kenntnis des illegalen Vertriebs der Daten die Aufgabenbereiche Rechtliches, Buchhaltung und Finanzen wahrgenommen. Wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr befindet sich S. in Untersuchungshaft.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, betrieben zwei Männer im Alter von 20 und 30 Jahren aus dem Raum Meiningen die Webseite www.ftp-welt.com. Käufer erhielten für 135 Euro ein Zugangspasswort im Abonnement. Damit wurde dann von verschiedenen Servern im Ausland Raubkopien geladen.

Die Mühlhäuser Ermittler griffen dann am heutigen Donnerstag, 16.09.2004, zu: Es wurden eine Reihe von Privat- und Geschäftsräumen in Thüringen, Niedersachsen und Bayern durchsucht.

Mehr zum Thema Raubkopien hier auf der Homepage

Links zur Infos zu diesem Bericht (Quellen):

http://www.tagesspiegel.de/tso/aktuell/artikel.asp?TextID=42405

http://www.heise.de/newsticker/meldung/51156

http://www.golem.de/0409/33617.html

http://www.dsl-magazin.de/news/internet/news_Bekannter_Dialer_Anwalt_sitzt_in_U_Haft_14423_1.html

Nachtrag, 24.09.2004:

.......................Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen erklärte gegenüber heise online, eine Verdunklungsgefahr sei nicht mehr gegeben. Syndikus sei bereits am Mittwoch vernommen worden. Es liege bislang kein "klassisches Geständnis" vor, erklärte Dirk Germerodt, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Am gestrigen Donnerstag habe man zehn Stunden lang die Brüder R. vernommen und dabei unter anderem sämtliche Zugangskennungen zu dem FTPWelt-Server-Netzwerk erhalten. Bisher hatten die Brüder verweigert, diese Daten herauszugeben. Die Server seien nun komplett heruntergefahren. Außerdem haben die Ermittler Rechtshilfeersuchen gestellt, um auch physisch an die in mehreren Ländern befindlichen Geräte zu kommen...........”Ein vehementes Bestreiten liegt auf jeden Fall nicht gerade vor." Die Vorwürfe seien teilweise eingeräumt worden. ............... Als die Staatsanwaltschaft nun an den entsprechenden Koffer gekommen war, habe sie umgehend die Aufhebung der Haftbefehle beantragt. Insgesamt seien bisher etwa 600.000 Euro auf Bankkonten und in bar sichergestellt worden, die mit dem Betrieb von FTPWelt eingenommen wurden.................

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/51428

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